2025 war das Jahr, in dem ich gemerkt habe, dass ich nicht weiter weg gehen, sondern näher kommen muss.
Im letzten Jahresrückblick habe ich geschrieben, dass ich meine Wohnung aufgelöst, meinen Besitz auf 76 Dinge reduziert und beschlossen habe, als digitaler Nomade in die Welt hinauszugehen. Freiheit, Reduktion, Bewegung – das klang stimmig. Und war es auch. Zumindest teilweise.
Denn was ich 2025 realisiert habe, war stiller und grundlegender als jeder Reiseplan. Nicht als grosse Erkenntnis, sondern langsam, unterwegs.
Ich wollte nicht hinaus in die Welt.
Ich wollte zurück zu mir.
Und ich habe verstanden, dass ich nirgendwo auf der Welt etwas finden werde, das wichtiger ist, als Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.
Inhalte dieses Artikels
Vom Traum der Freiheit – und der Suche nach Ruhe
Ich habe lange geglaubt, dass Freiheit bedeutet, möglichst wenig gebunden zu sein: keine Wohnung, keine festen Orte, keine Verpflichtungen.
Ein Teil dieses Wunsches war echte Sehnsucht nach Einfachheit.
Ein anderer Teil war Müdigkeit.
Die letzten zehn Jahre waren dicht: Gründung Wortspiel, Hauskauf, Kinder, Gründung Friendly, finanzielle Verantwortung, Trennung, Neuausrichtung. Viel Aufbau, viel Verantwortung, wenig Pause.
Der Gedanke an ein nomadisches Leben war deshalb nicht nur Abenteuerlust – sondern auch der Versuch, wieder Luft zu bekommen.
Die Reise, die meinen Blick verändert hat
Anfang 2025 bin ich auf Reisen gegangen. Geplant war Bewegung, Offenheit, Weite.
Was sich gezeigt hat, war etwas anderes.
In der Distanz wurde mir klar, was mir wirklich fehlt.
Nicht Orte. Nicht Abwechslung. Nicht Möglichkeiten.
Sondern Verankerung.
Und eine Form von Nähe, die nicht nachholbar ist.
Diese Erkenntnis kam nicht als grosses Aha-Erlebnis, sondern leise – und sie hat meine Pläne grundlegend verändert.
Nähe statt Entwurf
Ich habe aufgehört, mein Leben als Konzept zu betrachten. Und begonnen, es wieder als Beziehung zu leben.
Ich bin näher an meinem Alltag. Näher an mir selbst. Und näher an dem, was mir wirklich wichtig ist.
Es sind keine grossen Gesten, die zählen. Sondern Präsenz. Verlässlichkeit. Zeit, die nicht verplant ist.
Ich habe gelernt: Freiheit ohne Verwurzelung macht mich leer. Verantwortung mit innerer Klarheit macht mich ruhig.
Arbeit: Tragfähigkeit statt Daueranspannung
Beruflich war 2025 kein Jahr des bequemen Wachstums – sondern eines der Klärung.
Wortspiel ist stabil.
Friendly war lange nicht stabil. Die Jahre davor waren geprägt von finanziellen Engpässen, hoher persönlicher Belastung und Phasen, in denen wir improvisieren mussten, um handlungsfähig zu bleiben. Auch 2025 begann nicht leicht.
Im Laufe des Jahres haben wir wichtige strategische Entscheidungen getroffen, Verantwortung neu verteilt und bewusst Ruhe ins System gebracht. Mit Lukas Sigel als COO stehen heute mehr Schultern unter der Verantwortung – und nicht mehr alles auf meinen.
Das hatte eine sehr konkrete Folge:
Ich konnte zum ersten Mal seit über zehn Jahren drei Wochen komplett Ferien machen. Ohne Laptop. Ohne Notfallmodus. Das klingt banal, ist es aber nicht. Und vielleicht ist es für andere ein Zeichen, dass Veränderung möglich ist – auch spät, auch schrittweise.
Wir haben wichtige Kund:innen gewonnen, unsere wiederkehrenden Umsätze deutlich gesteigert und den nächsten Schritt gemacht: Zum ersten Mal bauen wir eine 100%-Stelle auf. Gleichzeitig haben wir unsere ISO-Zertifizierungen erneut erfolgreich bestätigt.
Wir sind nicht am Ziel. Kapazität und Qualität bleiben Themen. Aber zum ersten Mal fühlt es sich nicht mehr wie ein Rennen gegen die Zeit an, sondern wie ein Weg, den man gehen kann.
Schritt für Schritt.
Gesundheit: Wirksam statt hart
Meine Gesundheit war 2025 kein Thema mehr, das ich ausgesessen habe.
Ich habe begonnen, sie bewusster zu gestalten.
Ich habe Entscheidungen getroffen, die mir mehr innere Stabilität und Antrieb geben – ohne mich von meinen Gefühlen zu trennen. Unterstützt durch eine gezielte Anpassung meiner Medikation und ausgewählte Nahrungsergänzungen bin ich heute ausgeglichener als früher, auch in den dunklen Wintermonaten.
Ich habe meine Ernährung verbessert, mein Training neu ausgerichtet und dabei spürbar an Kraft gewonnen. Gewicht zu verlieren war kein Ziel, sondern eine Folge davon, dass Körper und Alltag besser zusammenpassen.
Der wichtigste Unterschied zu früher: Ich tue das nicht mehr aus Druck oder Selbstkorrektur. Sondern aus Beziehung. Zu meinem Körper. Zu meinem Alltag. Zu dem Leben, das ich tatsächlich lebe.
Ein wichtiger Teil davon war auch, dass ich mich in diesem Jahr intensiv mit alten Verletzungen und Prägungen auseinandergesetzt habe. Diese Arbeit war nicht leicht – aber sie hat vieles erst möglich gemacht, was heute tragfähig ist.
Abschied vom Mythos des Minimalismus
Ich besitze immer noch wenig. Aber ich glaube nicht mehr, dass Reduktion allein Antworten liefert.
Minimalismus ist ein Werkzeug. Kein Ziel.
Was ich wirklich gesucht habe, war nicht Leichtigkeit – sondern Zugehörigkeit.
Ich muss nicht überall sein. Ich darf irgendwo sein.
Was bleibt
2025 war kein lautes Jahr. Aber ein ehrliches.
Ich bin nicht weiter hinaus in die Welt gegangen. Ich bin angekommen.
Ich bin wieder bewegt. Ich fühle wieder.
Bei mir. In meinem Leben. In einer Form von Nähe, die trägt.
Nicht perfekt. Aber wahr. Und für mich: genug.
Kurz vor meiner Abreise Anfang des Jahres hat mir meine Schwester Kathrin ein Zitat von T. S. Eliot mitgegeben.
Als ich es nach meiner Reise wieder gelesen habe, hat es etwas in mir berührt, das ich vorher nicht benennen konnte.
Heute weiss ich: Es beschreibt dieses Jahr besser, als ich es selbst könnte.

Wir werden nicht aufhören zu erkunden
Und am Ende all unseres Entdeckens
Werden wir dort ankommen, wo wir angefangen haben
Und kennen den Ort zum ersten Mal.
Durch das unbekannte, doch erinnerte Tor,
Wenn das Letzte, was auf Erden noch zu entdecken bleibt,
Das ist, was der Anfang war;
An der Quelle des längsten Flusses
Die Stimme des verborgenen Wasserfalls
Und die Kinder im Apfelbaum
Nicht bekannt, weil nicht gesucht,
Doch gehört, halb gehört, in der Stille
zwischen zwei Wellen des Meeres.
Dieses Lied hat mich dieses Jahr sehr berührt:
Zum Schluss möchte ich etwas festhalten, das in diesem Text zwischen den Zeilen mitschwingt:
Ich bin dieses Jahr nicht allein gegangen.
Der Titel dieses Rückblicks ist aus einem Gespräch mit meinem Freund Stefan P. entstanden, der mich seit Jahren ruhig, treu und ermutigend begleitet.
Mein Therapeut und Freund Sascha K. hat mir geholfen, mich selbst besser zu verstehen – vor allem den Unterschied zwischen dem, was ich lange gelebt habe, und dem, was ich eigentlich will.
Mein Freund Robert E. ist seit vielen Jahren eine Konstante in meinem Leben. Einer von denen, die bleiben.
Mein Freund Andreas S. hat während unserer spontanen gemeinsamen Reise viel Zeit, Aufmerksamkeit und Vertrauen in mich investiert – und einen grossen Anteil daran, dass ich wieder bei mir angekommen bin.
Meine Eltern und Geschwister tragen mich mit einer Selbstverständlichkeit, die ich oft erst im Rückblick wirklich sehe.
Und meine Töchter:
Mit ihnen habe ich in diesem Jahr mehr echte, nahe und lebendige Momente erlebt als in vielen Jahren zuvor.
Dafür bin ich dankbar.
PS: Dies ist das siebte Jahr, für das ich einen Rückblick geschrieben habe. Hier geht es den Ausgaben für 2024, 2023, 2022, 2021, 2020 und 2019.
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