{"id":2593,"date":"2025-12-31T12:50:55","date_gmt":"2025-12-31T10:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/stefanvetter.com\/de\/?p=2593"},"modified":"2025-12-31T13:43:35","modified_gmt":"2025-12-31T11:43:35","slug":"2025-rueckblick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stefanvetter.com\/de\/2025-rueckblick","title":{"rendered":"Jahresr\u00fcckblick 2025: Zur\u00fcck zu mir statt hinaus in die Welt"},"content":{"rendered":"\n

2025 war das Jahr, in dem ich gemerkt habe, dass ich nicht weiter weg gehen, sondern n\u00e4her kommen muss.<\/p>\n\n\n\n

Im letzten Jahresr\u00fcckblick<\/a> habe ich geschrieben, dass ich meine Wohnung aufgel\u00f6st, meinen Besitz auf 76 Dinge<\/a> reduziert und beschlossen habe, als digitaler Nomade in die Welt hinauszugehen. Freiheit, Reduktion, Bewegung \u2013 das klang stimmig. Und war es auch. Zumindest teilweise.<\/p>\n\n\n\n

Denn was ich 2025 realisiert habe, war stiller und grundlegender als jeder Reiseplan. Nicht als grosse Erkenntnis, sondern langsam, unterwegs.<\/p>\n\n\n\n

Ich wollte nicht hinaus<\/em> in die Welt.<\/p>\n\n\n\n

Ich wollte zur\u00fcck<\/em> zu mir.<\/p>\n\n\n\n

Und ich habe verstanden, dass ich nirgendwo auf der Welt etwas finden werde, das wichtiger ist, als Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n

Vom Traum der Freiheit \u2013 und der Suche nach Ruhe<\/h2>\n\n\n\n

Ich habe lange geglaubt, dass Freiheit bedeutet, m\u00f6glichst wenig gebunden zu sein: keine Wohnung, keine festen Orte, keine Verpflichtungen.<\/p>\n\n\n\n

Ein Teil dieses Wunsches war echte Sehnsucht nach Einfachheit.<\/p>\n\n\n\n

Ein anderer Teil war M\u00fcdigkeit.<\/p>\n\n\n\n

Die letzten zehn Jahre waren dicht: Gr\u00fcndung Wortspiel, Hauskauf, Kinder, Gr\u00fcndung Friendly, finanzielle Verantwortung, Trennung, Neuausrichtung. Viel Aufbau, viel Verantwortung, wenig Pause.<\/p>\n\n\n\n

Der Gedanke an ein nomadisches Leben war deshalb nicht nur Abenteuerlust \u2013 sondern auch der Versuch, wieder Luft zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n


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Die Reise, die meinen Blick ver\u00e4ndert hat<\/h2>\n\n\n\n

Anfang 2025 bin ich auf Reisen gegangen. Geplant war Bewegung, Offenheit, Weite.<\/p>\n\n\n\n

Was sich gezeigt hat, war etwas anderes.<\/p>\n\n\n\n

In der Distanz wurde mir klar, was mir wirklich fehlt.<\/p>\n\n\n\n

Nicht Orte. Nicht Abwechslung. Nicht M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n

Sondern Verankerung.<\/p>\n\n\n\n

Und eine Form von N\u00e4he, die nicht nachholbar ist.<\/p>\n\n\n\n

Diese Erkenntnis kam nicht als grosses Aha-Erlebnis, sondern leise \u2013 und sie hat meine Pl\u00e4ne grundlegend ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n


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N\u00e4he statt Entwurf<\/h2>\n\n\n\n

Ich habe aufgeh\u00f6rt, mein Leben als Konzept zu betrachten. Und begonnen, es wieder als Beziehung zu leben.<\/p>\n\n\n\n

Ich bin n\u00e4her an meinem Alltag. N\u00e4her an mir selbst. Und n\u00e4her an dem, was mir wirklich wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n

Es sind keine grossen Gesten, die z\u00e4hlen. Sondern Pr\u00e4senz. Verl\u00e4sslichkeit. Zeit, die nicht verplant ist.<\/p>\n\n\n\n

Ich habe gelernt: Freiheit ohne Verwurzelung macht mich leer. Verantwortung mit innerer Klarheit macht mich ruhig.<\/p>\n\n\n\n


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Arbeit: Tragf\u00e4higkeit statt Daueranspannung<\/h2>\n\n\n\n

Beruflich war 2025 kein Jahr des bequemen Wachstums \u2013 sondern eines der Kl\u00e4rung.<\/p>\n\n\n\n

Wortspiel<\/a> ist stabil.<\/p>\n\n\n\n

Friendly<\/a> war lange nicht stabil. Die Jahre davor waren gepr\u00e4gt von finanziellen Engp\u00e4ssen, hoher pers\u00f6nlicher Belastung und Phasen, in denen wir improvisieren mussten, um handlungsf\u00e4hig zu bleiben. Auch 2025 begann nicht leicht.<\/p>\n\n\n\n

Im Laufe des Jahres haben wir wichtige strategische Entscheidungen getroffen, Verantwortung neu verteilt und bewusst Ruhe ins System gebracht. Mit Lukas Sigel<\/a> als COO stehen heute mehr Schultern unter der Verantwortung \u2013 und nicht mehr alles auf meinen.<\/p>\n\n\n\n

Das hatte eine sehr konkrete Folge:<\/p>\n\n\n\n

Ich konnte zum ersten Mal seit \u00fcber zehn Jahren drei Wochen komplett Ferien machen. Ohne Laptop. Ohne Notfallmodus. Das klingt banal, ist es aber nicht. Und vielleicht ist es f\u00fcr andere ein Zeichen, dass Ver\u00e4nderung m\u00f6glich ist \u2013 auch sp\u00e4t, auch schrittweise.<\/p>\n\n\n\n

Wir haben wichtige Kund:innen gewonnen, unsere wiederkehrenden Ums\u00e4tze deutlich gesteigert und den n\u00e4chsten Schritt gemacht: Zum ersten Mal bauen wir eine 100%-Stelle<\/a> auf. Gleichzeitig haben wir unsere ISO-Zertifizierungen erneut erfolgreich best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n

Wir sind nicht am Ziel. Kapazit\u00e4t und Qualit\u00e4t bleiben Themen. Aber zum ersten Mal f\u00fchlt es sich nicht mehr wie ein Rennen gegen die Zeit an, sondern wie ein Weg, den man gehen kann.<\/p>\n\n\n\n

Schritt f\u00fcr Schritt.<\/p>\n\n\n\n


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Gesundheit: Wirksam statt hart<\/h2>\n\n\n\n

Meine Gesundheit war 2025 kein Thema mehr, das ich ausgesessen habe.<\/p>\n\n\n\n

Ich habe begonnen, sie bewusster zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n

Ich habe Entscheidungen getroffen, die mir mehr innere Stabilit\u00e4t und Antrieb geben \u2013 ohne mich von meinen Gef\u00fchlen zu trennen. Unterst\u00fctzt durch eine gezielte Anpassung meiner Medikation und ausgew\u00e4hlte Nahrungserg\u00e4nzungen bin ich heute ausgeglichener als fr\u00fcher, auch in den dunklen Wintermonaten.<\/p>\n\n\n\n

Ich habe meine Ern\u00e4hrung verbessert, mein Training neu ausgerichtet und dabei sp\u00fcrbar an Kraft gewonnen. Gewicht zu verlieren war kein Ziel, sondern eine Folge davon, dass K\u00f6rper und Alltag besser zusammenpassen.<\/p>\n\n\n\n

Der wichtigste Unterschied zu fr\u00fcher: Ich tue das nicht mehr aus Druck oder Selbstkorrektur. Sondern aus Beziehung. Zu meinem K\u00f6rper. Zu meinem Alltag. Zu dem Leben, das ich tats\u00e4chlich lebe.<\/p>\n\n\n\n

Ein wichtiger Teil davon war auch, dass ich mich in diesem Jahr intensiv mit alten Verletzungen und Pr\u00e4gungen auseinandergesetzt habe. Diese Arbeit war nicht leicht \u2013 aber sie hat vieles erst m\u00f6glich gemacht, was heute tragf\u00e4hig ist.<\/p>\n\n\n\n


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Abschied vom Mythos des Minimalismus<\/h2>\n\n\n\n

Ich besitze immer noch wenig. Aber ich glaube nicht mehr, dass Reduktion allein Antworten liefert.<\/p>\n\n\n\n

Minimalismus ist ein Werkzeug. Kein Ziel.<\/p>\n\n\n\n

Was ich wirklich gesucht habe, war nicht Leichtigkeit \u2013 sondern Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n\n\n\n

Ich muss nicht \u00fcberall sein. Ich darf irgendwo sein.<\/p>\n\n\n\n


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Was bleibt<\/h2>\n\n\n\n

2025 war kein lautes Jahr. Aber ein ehrliches.<\/p>\n\n\n\n

Ich bin nicht weiter hinaus in die Welt gegangen. Ich bin angekommen.<\/p>\n\n\n\n

Ich bin wieder bewegt. Ich f\u00fchle wieder.<\/p>\n\n\n\n

Bei mir. In meinem Leben. In einer Form von N\u00e4he, die tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n

Nicht perfekt. Aber wahr. Und f\u00fcr mich: genug.<\/p>\n\n\n\n


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Kurz vor meiner Abreise Anfang des Jahres hat mir meine Schwester Kathrin ein Zitat von T. S. Eliot<\/strong> mitgegeben.<\/p>\n\n\n\n

Als ich es nach meiner Reise wieder gelesen habe, hat es etwas in mir ber\u00fchrt, das ich vorher nicht benennen konnte.<\/p>\n\n\n\n

Heute weiss ich: Es beschreibt dieses Jahr besser, als ich es selbst k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n

\"\"<\/figure>\n\n\n\n
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Wir werden nicht aufh\u00f6ren zu erkunden
Und am Ende all unseres Entdeckens
Werden wir dort ankommen, wo wir angefangen haben
Und kennen den Ort zum ersten Mal.

Durch das unbekannte, doch erinnerte Tor,
Wenn das Letzte, was auf Erden noch zu entdecken bleibt,
Das ist, was der Anfang war;

An der Quelle des l\u00e4ngsten Flusses
Die Stimme des verborgenen Wasserfalls
Und die Kinder im Apfelbaum
Nicht bekannt, weil nicht gesucht,
Doch geh\u00f6rt, halb geh\u00f6rt, in der Stille
zwischen zwei Wellen des Meeres.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n


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Dieses Lied hat mich dieses Jahr sehr ber\u00fchrt:<\/p>\n\n\n\n

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